German Correspondence

Count Ferdinand von Zeppelin

(1838 - 1917)

Edited by Eugene R. Moutoux

 

After retiring from the army in 1891, Count von Zeppelin spent the final 26 years of his long life designing and building engine-powered dirigibles. As a military officer he had been commended for bravery during the Franco-Prussian War of 1870-71. At the time of his retirement he held the position of brigadier commander. Already in 1873 Zeppelin had worked on a plan for constructing a dirigible. Finally in 1900, despite the refusal of Emperor Wilhelm II to subsidize the project, Zeppelin’s first dirigible was completed.

Technically deficient, the first "zeppelin" (as the dirigibles began to be called) had to be disassembled. Its successor, the LZ-2, was launched late in 1905 only to be destroyed in a storm in January of 1906. Later in the same year Count Zeppelin completed the LZ-3, which was purchased by the German military. The flight of LZ-4 over Switzerland and southern Germany in 1908 so engendered the enthusiasm of the German people that they contributed generously to the zeppelin project whose survival (albeit brief) was thereby insured. The apex of the zeppelin’s military and commercial success came during the lifetime of its inventor, who also experienced its failure in air raids against England and the subsequent abandonment by Germany of the zeppelin program. In the following letter, written in 1891, Count von Zeppelin describes the projected advantages of his dirigible vis-à-vis an earlier French airship.

 
anwenden (reg.) - use

berechnen (reg.) - calculate

drehen (reg.) - turn

sich erinnern an (reg.) - remember

s Fahrzeug (-e) - vehicle; craft

e Geschwindigkeit (-en) - speed

s Gespräch (-e) - conversation

e Gestalt (-en) - form, shape

günstig - favorable

imstande sein - be capable (of)

s Irrenhaus (¨-er) - mental home

r Kandidat (-en, -en) - candidate

e Meinung (-en) - opinion

s Militärluftschiff (-e) - military dirigible

e Person (-en) - person

e Schraube (-n) - screw; propeller

e Sekunde (-n) - second

stören (reg.) - disturb

r Tiergarten (¨) - zoological garden (zoo)

überwinden (a, u) - overcome

vorläufig - provisional(ly)

vorübergehend - transitory, temporary

weh tun (a, a) - hurt

r Widerstand - resistance

e Zeichnung (-en) - drawing

Ferdinand Graf von Zeppelin

An Graf Alfred von Schlieffen

Schloß Girsberg

29. Juni 1891

Hochverehrter Herr Graf!

Euer Exzellenz erinnern sich vielleicht eines Gesprächs bei einem Ritte im Tiergarten über lenkbare Luftfahrzeuge. Ich wollte damals meinen Gedanken darüber einen Versuch der Ausführung nicht folgen lassen, weil mir die Zeit zur Bearbeitung fehlte und weil es mir störend gewesen wäre, auch nur vorübergehend für einen Kandidaten des Irrenhauses angesehen zu werden.

Jetzt, wo ich nichts Besseres mehr wirken darf und die Meinung der Menschen nur meiner Person, aber keinem Beruf, in dem ich stünde, mehr wehe tun kann, habe ich jene Gedanken wieder aufgegriffen und ihnen—vorläufig noch in der Zeichnung—Gestalt gegeben.

An das einzige genauer bekannte Beispiel, das französische Militärluftschiff in Meudon, anschließend, gebe ich meinen Fahrzeugen den gleichen größten Querschnitt, wie ihn jenes hat, jedoch mit günstigerer Abgleitung der Luft. Um sechsmal schneller fahren zu können als mit der in Meudon erreichten Geschwindigkeit von fünf Metern in der Sekunde, wende ich Maschinen an, welche den sechsunddreißigfachen Widerstand des dort berechneten nicht nur ihrer Kraft nach überwinden, sondern dazu auch durch genügend rasch drehende und eine genügende Fläche zum Abstoß deckende Schrauben imstande sind.

 

 

 

 

 

 

Ritte (dat. sing.): ride (on horseback) / lenkbar: steerable / Ausführung: execution / Bearbeitung: working (on it) / wirken: (here) do / aufgreifen: take up / Meudon: French city / anschließend an: following / Abgleitung: sliding off / genügend rasch drehend: turning sufficiently fast / eine genügende Fläche ... deckende Schrauben: propellers with a surface sufficient for thrust

ausführen (reg.) - execute, carry out

e Ausführung (-en) - execution

beseitigen (reg.) - put aside; remove

Bezug haben auf - refer to

e Bildung (-en) - development

einigermaßen - somewhat

e Erfindung (-en) - invention

ermöglichen (reg.) - make possible

e Erwartung (-en) - expectation

falls - in case, if

e Flotte (-n) - navy

geeignet - suitable

gleichmäßig - regular; proportionate

infolge - as a result of, due to

r Luftdruck - air pressure

r Mangel (¨) - lack; deficiency

s Material (-ien) - material

r Motor (-en) - engine; motor

s Projekt (-e) - project

e Prüfung (-en) - test; examination

e Reise (-n) - trip

r Transport (-e) - shipment

e Überwindung (-en) - conquest; overcoming

vollständig - complete

e Voraussetzung (-en) - assumption

 

Meine Maschinenfahrzeuge werden, da sie das Material zum Betriebe für zwölf Stunden mit sich führen und infolge einer Einrichtung, welche die gleichmäßige Gasspannung unter verschiedenem Luftdruck oder Gasverluste ermöglicht, schnelle und weite Reisen ausführen können.

Diese Maschinenfahrzeuge sollen aber in den meisten Fällen nicht allein fahren, sondern es werden ihnen Transportfahrzeuge für Menschen und Frachtgüter angehängt. Dieselben sind vorläufig auf je 500 kg Tragfähigkeit berechnet. Geeignete Vorrichtungen erhalten die gleichmäßige Längsfolge der verbundenen Fahrzeuge. Die Vermehrung des Luftwiderstandes ist eine geringfügige, daher die Bildung eines längeren Zuges wahrscheinlich möglich werden wird.

Meine Erfindung vor anderen Staaten ausnützen zu können, müßte für unsere Armee und Flotte von großer Bedeutung sein. Unter der Voraussetzung freilich, daß die Ausführung des Projekts den Erwartungen einigermaßen entspricht. Das ohne Prüfung anzunehmen, kann ich niemandem zumuten. Vollständig könnte eine Prüfung nur geschehen, wenn mir Gelegenheit gegeben wäre, etwaige Einwände durch Erläuterungen oder durch Überwindung wirklicher Mängel mittelst geeigneter Anordungen zu beseitigen. Da ich die patentierten Petroleum-Motoren von Daimler in Cannstadt anwende, so wäre es zweckmäßig, an Ort und Stelle zu sein, falls solche Einwände auf die Motoren Bezug haben sollten.

Betrieb: operation / Einrichtung: contrivance / Gasspannung: expansion of gas / Gasverlust: loss of gas / Frachtgüter: freight / anhängen: attach / Tragfähigkeit: load capacity / Vorrichtung: device / Längsfolge: spacing / Vermehrung: increase / geringfügig: insignificant / ausnützen: exploit / umuten: expect / etwaig: possible / Erläuterungen: explanations / mittelst: by means of / Anordnungen: arrangements / patentiert: patented / Daimler: German company founded in 1890, manufacturer of the Mercedes / Cannstadt: suburb of Stuttgart / zweckmäßig: expedient
e Abteilung (-en) - department

alltäglich - everyday; daily

r Auftrag (¨-e) - commission; mission

r Ausdruck (¨-e) - expression

ausgezeichnet - excellent(ly)

sich begeben (i; a, e) - betake oneself, i.e., go

besondere - special

e Bitte (-n) - request

erleichtern (reg.) - facilitate

e Güte - goodness, kindness

gütig - kind

e Hochachtung - respect

indem - (conj.) while; by

s Postamt (¨-er) - post office

s Telegramm (-e) - telegram

vertraulich - confidential

vorbereiten (reg.) - prepare

wohlbekannt - well known

Nun ist es mir wohlbekannt, daß ich mich eigentlich sofort der Schar von Luftprojektemachern einzureihen hätte, die alltäglich Erfindungen bei den betreffenden Behörden in Berlin anpreisen. Ich würde außerordentlich dankbar sein, wenn Euere Exzellenz die Güte hätten, aus besonderer Rücksichtnahme mir diesen Schritt dadurch zu ersparen oder erleichternd vorzubereiten, daß Sie einen in den einschlägigen Fragen gut bewanderten Offizier der Luftschiffer-Abteilung mit dem vertraulichen Auftrage, eine Prüfung meines Projektes vorzunehmen, nach Stuttgart abordnen möchten. Ich selbst begebe mich am 1. or 2. Juli dahin, um den Beginn der Arbeiten bei Daimler einzuleiten. Im Falle gütiger Gewährung meiner Bitte würde der betreffende Offizier mich bei dem Portier des Hotel Marquardt in Stuttgart erfragen können. Briefe und Telegramme übermittelt mir das Postamt Stuttgart; auch wenn ich dort nicht anwesend bin.

Indem ich mir freundlich zu grüßen erlaube, verbleibe ich mit dem Ausdruck ausgezeichnetster Hochachtung

Euerer Exzellenz ganz ergebener

Graf von Zeppelin

Schar: multitude / sich einreihen: get in line / Behörden: authorities / anpreisen: commend / Rücksichtnahme: consideration / ersparen: spare / einschlägig: pertinent / bewandert: proficient / vornehmen: take in hand / abordnen: delegate / Gewährung: granting / Portier: (Fr.) porter / erfragen: find by asking / übermitteln: convey / verbleiben (ie, ie): remain / ergeben: devoted
A. Answer in German.

1. Worüber hatten sich die beiden Grafen einmal im Tiergarten unterhalten?

2. Warum hatte Graf von Zeppelin damals nicht versucht, seine Gedanken zu verwirklichen?

3. Übt er jetzt den gleichen Beruf wie früher aus?

4. Wie weit war sein Projekt bis 1891 fortgeschritten?

5. Inwiefern sollten seine Luftfahrzeuge dem früheren französischen Luftschiff gleichen?

6. In welchen Aspekten sollten sie es übertreffen?

7. Wie lange sollten die Lufschiffe fahren können?

8. Welche Einrichtungen sollten schnelle und weite Reisen ermöglichen?

9. Was wollte Graf von Zeppelin seinen Luftfahrzeugen anhängen?

10. Sah er die Möglichkeit, seine Erfindung militärisch anzuwenden?

11. War er der Meinung, daß die erfolgreiche Ausführung seines Projekts ohne Prüfung einfach angenommen werden könnte?

12. Warum wollte er bei einer Prüfung seines Projekts anwesend sein?

13. Warum wollte er nicht nach Berlin fahren?

14. Wie könnte eine Reise nach Berlin vermieden werden?

B. Word order: Rearrange the following words so as to form sentences. Double slash marks divide clauses. Begin each clause with the first word given.

1. Es / möglich / durchaus / ist // daß / Graf von Schlieffen / erinnerte / sich / an das Gespräch // worauf / Graf von Zeppelin / hindeutet / in seinem Brief.

2. Damals / Graf von Zeppelin / seine Gedanken / ausführen / wollte / nicht // weil / die Zeit / fehlte / ihm.

3. Es / ihm / störend / gewesen / wäre // auch nur vorübergehend / angesehen / werden / für einen Kandidaten des Irrenhauses / zu.

4. Jetzt / er / jene Gedanken / hat / aufgegriffen / wieder / und / Gestalt / ihnen / gegeben.

5. Er / geben / will / den gleichen größten Querschnitt / seinen Luftfahrzeugen // wie / das französische Luftschiff / hat / ihn.

6. Seine Luftfahrzeuge / eine Geschwindigkeit / werden / erreichen / von dreißig Metern in der Sekunde // und / werden / sie / können / fahren / zwölf Stunden.

7. Den Maschinenfahrzeugen / Transportfahrzeuge / sollen / werden / angehängt.

8. Ohne Prüfung / man / annehmen / nicht / kann // daß / entspricht / den Erwartungen / die Ausführung des Projekts / einigermaßen.

9. Dem Erfinder / die Gelegenheit / soll / werden / gegeben // etwaige Einwände / durch Erläuterungen / beseitigen / zu.

10. Er / sein / würde / sehr dankbar // wenn / die Reise / nach Berlin / ersparte / Graf von Schlieffen / ihm.

11. Er / sich / nach Stuttgart / Anfang Juli / begibt // wo // bei dem Portier des Hotel Marquardt / ihn / kann / man / erfragen.

C. Imperatives: Change the following command forms to a) familiar singular and b) familiar plural. Translate. (All three forms have the same translation.)

1. Denken Sie an das Gespräch im Tiergarten!

2. Stellen Sie sich ein Luftschiff vor, das schneller fährt als das Beispiel, das Sie schon kennen!

3. Vergessen Sie nicht, daß Sie mit dem neuen Luftfahrzeug weit fahren können!

4. Tun Sie mir bitte einen großen Gefallen!.

5. Ordnen Sie einen Offizier nach Stuttgart ab!

6. Sagen Sie ihm, er werde dort nach mir fragen können!

7. Seien Sie herzlichst gegrüßt!

D. Express in German.

1. Count von Zeppelin hopes that Count von Schlieffen remembers a conversation in the zoo.

2. At that time he did not have enough time to carry out his thoughts; also he did not want to be considered crazy.

3. Zeppelin's dirigible will equal the French example in size and will exceed it in speed.

4. He expects his dirigible to reach a speed of thirty meters per second.

5. Zeppelin said that his dirigible would be able to travel for twelve hours.

6. As he saw it, a dirigible with motors would pull people and freight in dirigibles without motors, like a train in the sky.

7. He thought that it would be important for Germany to exploit the new invention before other countries.

8. He did not know with complete certainty if the dirigibles would fulfill his expectations.

9. Objections can be put aside by means of explanations and by overcoming real deficiencies.

10. If Zeppelin had traveled to Berlin, he would have had to stand in line with many other invention.

11. He asked Graf von Schlieffen to send a highly qualified officer to Stuttgart for the purpose of testing his project.

12. He himself will go to Daimler in Cannstadt for the beginning of work on his engines.

Suggestion for oral practice: In 1908, when "dirigible" has become a household word in Germany, Count von Zeppelin and Count von Schlieffen again go riding together at the zoo. They have a lot to talk about.
Above: French cartoon commenting on the increase in German air strength. The accompanying text reads: "Wilhelm I on his new war horse. Our future is in the air!"
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