German Correspondence

Alfred Krupp

(1812 - 1887)

Edited by Eugene R. Moutoux

 

Upon the premature death of his father, Alfred Krupp left school at the age of fourteen in order to assume leadership of the small firm that his father had founded. In 1826 Alfred Krupp’s employees numbered five; when he died some forty years later, this number had grown to over twenty thousand. Under Alfred’s son Friedrich, the Krupp works, which had already become one of the world’s greatest producers of steel products including munitions and machinery, continued to expand; by 1902, the year of Friedrich Krupp’s death, the firm employed more than forty thousand people. While most of the firm was destroyed during World War II, it is today again one of Europe’s leading manufacturers.

The Krupp firm acquired world-wide recognition in 1851 when Alfred Krupp displayed at the Great Exhibition of London a two-ton solid-steel ingot. Subsequently he introduced the seamless railway wheel and developed a method of casting high-quality steel cannons. The "Cannon King," as he was called, purchased iron and coal mines in order to have control of sources of raw materials needed for the production of steel. His dedication to his work left him little time for anything else, as the following letter explains.

 
s Ansehen - reputation, esteem

außerhalb - (w/ gen.) outside, beyond

e Beantwortung (-en) - reply

bedürfen (bedarf; bedurfte, bedurft) - require

betreffen (i; betraf, o) - concern, affect

e Ehre (-n) - honor

etwa - approximately

e Fabrik (-en) - factory  

feststellen (reg.) - establish, determine

e Firma (-en) -firm

gefährden (reg.) - endanger

e Genehmigung (-en) - approval

gesellschaftlich - social

schriftlich - in writing; written

e Stellung (-en) - position

telephonieren (reg.) - phone 

unzweifelhaft - doubtless, unquestionable

wiederholen (reg.) - repeat

Alfred Krupp

An den Grafen von Pückler Essen, 3. Oktober 1884

Exzellenz!

(...) Nun will ich zur Beantwortung der mir geneigtest vorgelegten Frage übergehen, betreffend meine Genehmigung, daß mein Sohn eine etwaige Wahl zum Abgeordneten des Reichstags annehme. Gestern telephonierte ich, daß ich heute schriftlich antworten würde. Eine Verneinung bedarf der Gründe, —während ein Ja das nicht braucht. Leider aber ist es nicht anders, und so wird das Schreiben nicht ganz kurz ausfallen.

Seit etwa dreißig Jahren habe ich bei ähnlichen an mich herangetretenen Fragen den verewigten Königl. Geheimen Kabinettsrat Illaire wiederholt überzeugt, daß ich nicht außerhalb des Bereiches der Interessen meiner nur durch Arbeit mit Entbehrung mühevoll entstanden Fabrik meine Kraft versplittere, daß ich mit Verzicht auf Ansehen, Ehren und gesellschaftliche Stellung nur dem einen Zweck leben darf.

Seit 1826 führte ich die Fabrik, anfangend mit fünf Arbeitern, 1848 war die sichere Existenz noch nicht erreicht, und spätere Ereignisse haben es als unzweifelhaft festgestellt, daß der Inhaber der Firma den ausgesprochenen Grundsatz nicht verlassen darf, wenn er die Stellung des Etablissements und seine eigene nicht gefährden will.

 

 

 

geneigtest: most kindly / vorgelegt: proposed / eine etwaige Wahl zum Abgeordneten des Reichstags: a possible election to Parliament / Verneinung: denial / kurz ausfallen: be short / herangetreten: asked, directed to / verewigt: deceased / der Königl[iche] Geheime Kabinettsrat: King's confidential advisor / Bereich: area / meiner ... Fabrik: of my factory, which came into existence only by means of hard work and privation / versplittern: squander / Verzicht: renunciation / Inhaber: owner / ausgesprochen: explicit / Etablissement: (Fr.) business

s Amt (¨-er) - office

ausschließlich - exclusive(ly)

anwesend - present

s Bergwerk (-e) - mine

r Beruf (-e) - occupation

beschäftigen (reg.) - employ

bisher - up to now

e Erholung (-en) - relaxation, recuperation

s Gebiet (-e) - territory; area

gegenwärtig - present

e Gesundheit - health irgendein - any

e Lage (-n) - situation

s Mitglied (-er) - member

ordnen (reg.) - order, arrange

e Pflicht (-en) - duty, obligation

r Rhein - Rhine (river)

r Riese (-n) - giant

tätig - active

unsterblich - immortal

vergleichsweise - comparatively

e Verwaltung (-en) - administration

vorzüglich - excellent (ly)

vorher - before, previously

e Weise (-n) - way, manner

widmen (reg.) - dedicate

 

Mein einziger Sohn ist und bleibt in derselben Lage, in welcher ich bisher war. Er hat die Pflicht, außer der Gesundheitspflege und notwendiger Erholung anwesend seine ganze Kraft ausschließlich den Werken zu widmen, die jetzt zehntausend Menschen in Essen und zehntausend in Hütten und Bergwerken in der Rheinprovinz und Westfalen beschäftigen.

Leider hat er aus Gesundheitsrücksichten vergleichsweise bisher wenig Zeit seinem Beruf widmen können, und selbst bei Riesenkraft würde er nicht Zeit haben, die ihm fremden Gebiete zu studieren, worin ein tätiges Mitglied des Reichstages (oder irgendeines anderen Amtes) bewandert sein muß, wenn er würdig mit eigener Überzeugung reden und votieren soll.

Der ausgezeichneten gegenwärtigen Prokura verdanke ich die so vorzüglich geordnete Verwaltung meiner Werke und Interessen; aber dieselbe ist nicht unsterblich, ich bin alt und leidend, mein Sohn muß für jeden Fall gerüstet sein, seine hiesige Pflicht erfüllen zu können, und das kann er nur für sein Leben lang in der vorher angedeuteten Weise.

 

Gesundheitspflege: care of health / Werke: company / Hütten: metallurgical plants / Rheinprovinz und Westfalen: provinces of the former state of Prussia / aus Gesundheitsrücksichten: for reasons of health / bewandert: versed (in) / votieren: vote / Prokura: management / verdanken: be obliged fo / leidend: ailing / gerüstet: armed / hiesig: in this place; local / angedeutet: indicated

allgemein - general

befähigt - qualified

bekennen (bekannte, bekannt) - confess

berücksichtigen (reg.) - consider, take into consideration

charaktervoll - full of character

erfahren (adj.) - experienced

e Höhe (-n) - height

e Industrie (-n) - industry

r Industrielle (-n, -n) - industrialist

e Jagd (-en) - hunt

obgleich - although

patriotisch - patriotic

e Persönlichkeit (-en) - personality

r Staat (-en) - state; country

e Steuer (-n) - tax

e Vertretung (-en) - representation

vorziehen (zog vor, vorgezogen) - prefer

r Zoll (¨-e) - tariff, customs

Ich bekenne offen, daß ich nie Zeit hatte, die vaterländischen politischen Kapazitäten und ihre Richtung zu erforschen; unzweifelhaft aber gibt es, auch hier bei uns, ältere, erfahrene, als charaktervoll bekannte patriotische Persönlichkeiten, welche jedem vorzuziehen sein würden, der dieselbe Höhe noch nicht erreichte und, wie hier offen ausgesprochen, vorzugsweise der Stellung wegen berücksichtigt ist. Man wird solche Persönlichkeiten unter den Industriellen finden, viel mehr befähigt als irgendein Krupp zur Vertretung der großen allgemeinen Staats- und Industrie-Interessen.

Es gibt Industrien, die fast von selbst gehen, während in der hiesigen Tag auf Tag Fortschritt erstrebt werden muß, dem auch ich, ohne noch die Werke besuchen zu dürfen, meinen ganzen Rest von Tatkraft zuwende.

Ich habe mich selbst bei Steuer- und Zollfragen nie beteiligt, obgleich ich dadurch sehr nahe berührt wurde. — Alles aus demselben Grunde; aus ganz gleichem, weshalb ich—ein leidenschaftlicher Geschützfabrikant—niemals auf die Jagd gegangen bin. (...)

vaterländisch: national / Kapazitäten: capacities / vorzugsweise: primarily / erstreben: strive after / Tatkraft: energy / zuwenden: turn to(wards) / sich beteiligen: take part in / Geschützfabrikant: arms manufacturer
A. Answer in German

1. Auf welche Frage geht Alfred Krupp in diesem Brief ein?

2. Warum muß er mehr als nur ein paar Worte schreiben?

3. Warum verzichtet Krupp auf Ansehen und Ehren?

4. Wann übernahm er die Führung der Fabrik?

5. Wieviele Arbeiter hatte er damals?

6. Welchen Grundsatz darf der Inhaber einer Firma nicht aufgeben? Sind Sie derselben Meinung?

7. Ist Alfred Krupps Sohn ebenso dazu verpflichtet, seine ganze Kraft ausschließlich den Werken zu widmen?

8. Wieviele Menschen arbeiteten 1884 bei Krupp?

9. Wofür hat der Sohn nicht genug Zeit?

10. Was heißt es für seinen Sohn, wenn Alfred Krupp sagt, die Prokura sei nicht unsterblich und er selbst sei alt und leidend?

11. Wie bewertet Krupp seine eigenen politi- schen Kenntnisse?

12. Was war wohl der Grund, weswegen der junge Krupp hinsichtlich eines politischen Amtes anderen erfahreneren Menschen vorgezogen wurde?

13. Warum konnten die Krupp-Werke nicht wie einige andere Industrien fast von selbst funktionieren?

14. Warum hat sich Krupp bei Steuerfragen zurückgehalten?

15. Warum ging er nie auf die Jagd?

B. Relative poronouns: Fill in the blanks. Translate the sentences.

1. Alfred Krupp will die Frage beantworten, ______ Graf von Pückler an ihn stellte.

2. Krupps Brief, ______ die Gründe für seine negative Antwort enthält, ist nicht kurz.

3. Den Königlichen Kabinettsrat, ______ ähnliche Fragen stellte, mußte Krupp wiederholt überzeugen, daß er auf alles verzichten mußte, ______ außerhalb des Bereichs seiner Fabrik lag.

4. Diese Fabrik, ______ sichere Existenz man 1884 nicht mehr bezweifeln konnte, hatte anfangs bloß fünf Arbeiter.

5. Der Inhaber einer Firma soll sein ganzes Wesen dieser Firma widmen; das ist der Grundsatz, auf ______ Krupp sein Leben baute.

6. Der Sohn war in derselben Lage, in ______ der Vater war.

7. Den Werken, ______ 1884 20.000 Arbeiter beschäftigten, sollte der Sohn seine ganze Kraft zuwenden.

8. Politische Fragen, von ______ er nichts wußte, konnte er auch nicht studieren, denn es fehlte ihm die Zeit dazu.

9. Die Prokura, von ______ die Firma verwaltet wurde, war (gleich dem alten Krupp) nicht unsterblich.

10. Es gab damals in Deutschland charaktervolle, patriotische Menschen, ______ allen denen vorzuziehen waren, ______ dieselbe Höhe nicht erreicht hatten.

11. Solche Persönlichkeiten, von ______ man manche unter den Industriellen fand, waren viel mehr befähigt als irgendein Krupp zur Verwaltung des Staates.

12. Alfred Krupp meint, es gebe Industrien, ______ fast von selbst gehen.

13. Der Fortschritt seiner Firma und der Produkte, ______ dort erzeugt wurden, war das Ziel, _______ Krupp jeden Tag erstrebte.

14. Auch bei Steuer- und Zollfragen, durch ______ Krupp sehr nahe berührt wurde, hat er sich nie beteiligt.

C. Verbs, active, indicative: Fill in the blanks as indicated. Translate the sentences.

1. Krupp __________ (wrote) einen etwas längeren Brief, weil eine Ablehnung das __________ (needed).

2. Er ________ nur seiner Arbeit ________ (was permitted to live).

3. Es ________ mit fünf Arbeitern __________ (had begun).

4. Seine Werke ___________ (employed) 1884 zwanzig tausend Menschen.

5. Sein Sohn ________ bisher wenig Zeit seinem Beruf __________ (had dedicated).

6. Wer ein politisches Amt ___________ (accepts), ________ die entsprechenden Gebiete gewissenhaft __________ (must study).

7. Solche Personen ________ man doch ________ ________ (will be able to find).

8. Krupp __________ (confessed) offen, daß er nie genug Zeit fuur die Politik __________ ________ (had had).

9. Es ________ (are) Industrien, die fast von selbst ________ (go).

10. Alfred Krupp, der leidenschaftliche Geschützfabrikant, ________ niemals auf die Jagd ___________ (went, conv. past).

D. Express in German.

1. Alfred Krupp is writing a response to a request that he permit his son to seek a political office.

2. If his answer were yes, his letter would be short; however, the answer is no, and Krupp wants to write more than just a few words in order to explain his reasons.

3. He himself has always lived according to the principle that he needs his entire strength for his factory.

4. If he were to divide his strength between company and politics, the company would suffer; therefore, the honors and the social position of politics are not for him.

5. Krupp believes that his son has the same duty as he, i.e., except for necessary relaxation, he should devote his strength exclusively to the firm.

6. Unfortunately, the son's health has been poor, and he has therefore had too little time for his profession.

7. But even if he were entirely healthy, he would not have time to study everything that an active, worthy member of the Parliament needs to know.

8. After all, the father is not immortal, and the son must learn as much as possible about the

firm in order one day to be able to direct it.

9. Among the German industrialists there were experienced, patriotic persons who were better qualified than any Krupp to represent the interests of the state and of industry.

10. Alfred Krupp wanted to use the remainder of his strength for his company.

11. He simply had no time for politics, just as he had never had time to go hunting.

Suggestion for oral practice: The younger Krupp engages his father in a conversation about the letter that the latter wrote to Count von Pückler. He agrees wholeheartedly with most of the things his father wrote but expresses reservations about one or two points.
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