German Correspondence

Robert Koch

(1843 - 1910)

Edited by Eugene R. Moutoux

 

One of the world’s most famous bacteriologists, Robert Koch is perhaps best remembered for his work on tuberculosis, for which he received in 1905 the Nobel Prize in medicine. He successfully stained, isolated, and grew the tubercle bacillus. Earlier, he had identified and grown anthrax bacilli and, in so doing, had become the first person to establish a definite causal connection between a particular disease and a particular bacillus. Koch’s work, which extended beyond anthrax and tuberculosis to leprosy, bubonic plague, and malaria, took him to Africa and India.

The following letter, written while Koch was still a medical student (he received his degree in the following year), was occasioned by an offer of his uncle to pay the young Koch to investigate an epidemic of trichinosis. In explaining his decision to decline the offer, Koch discusses the current status of medical knowledge regarding the nature, causes, and treatment of the disease. Trichinosis, which in those days often ended in death, is now seldom fatal. Mercury, dismissed by Koch as a cure for trichinosis, was, though essentially poisonous, once used for a variety of medicinal purposes. Today various non-poisonous medicaments can be substituted for mercury.

 
arg - bad

dagegen - against it; on the other hand

e Einwanderung (-en) - immigration

erforschen (reg.) - research, investigate

e Erscheinung (-en) - appearance; symptom

existieren (reg.) - exist

hinreichend - sufficient(ly)

e Kenntnis (-sse) - knowledge

e Krankheit (-en) - sickness

e Lücke (-n) - gap

menschlich - human

r Organismus (-men) - organism

e Überzeugung (-en) - conviction

ursprünglich - original

e Veränderung (-en) - change

e Vermutung (-en) - supposition

e Vorsicht - caution

was ... betrifft - as for; as far as ... is concerned

zusammenhängen (i, a) - cohere; be connected

 

Robert Koch

An Dr. E. Biewend

Göttingen, 12. Dezember 1865

Lieber Onkel

(...) Es ist auch meine Überzeugung, daß unsere Kenntnis von der Trichinenkrankheit und allen damit zusammenhängenden Verhältnissen noch mehrere arge Lücken hat. Man kennt freilich die Erscheinungen, welche durch die Einwanderung der Trichinen in den menschlichen Organismus hervorgerufen werden, sehr genau, so dad jeder damit Vertraute die einmal entstandene Krankheit leicht erkennen kann, auch die bei der Sektion gefundenen Veränderungen sind hinreichend erforscht. Dagegen sind bis jetzt nur erst die direkten Vorsichtsmaßregeln gegen die Krankheit bekannt, was nämlich die Übertragung der Trichinen vom Schwein auf den Menschen betrifft; wie man aber verhüten soll, daß die Trichine in das Schwein gelangt, darüber existieren erst noch ganz vage Vermutungen, da man gar nichts Sicheres über den ursprünglichen Wohnsitz der Trichinen weiß.

 

 

 

 

 

Trichinenkrankheit: trichinosis / Trichinen: trichinae / hervorrufen: cause / jeder damit Vertraute: everyone familiar with it / entstanden: (here) existing / Sektion: autopsy / erforscht: researched / Vorsichtsmaßregeln: precautionary measures / Übertragung: transmission / verhüten: prevent      gelangen: get (into) / vag: vague / Wohnsitz: residence

außerordentlich - extraordinary (-ily)

r Aufenthalt (-e) - stay

r Beginn - beginning

e Behandlung (-en) - treatment

r Darm (¨-e) - intestine

r Dienst (-e) - service

energisch - energetic

e Erfahrung (-en) - experience

ertragen (ä; u, a) - endure

e Existenz (-en) - existence

jedenfalls - in any case

kräftig - strong

mehrfach - multiple; repeated(ly)

r Muskel (-n) - muscle

r Patient (-en, -en) - patient

r Schaden (¨) - damage; harm

schwach - weak

töten (reg.) - kill

e Unmöglichkeit (-en) - impossibility

unwahrscheinlich - improbable

verursachen (reg.) - cause

wandern (reg.) - wander; hike

e Wanderung (-en) - hike; migration

r Zeitraum (¨-e) - space (of time)

Die schwächste Seite bleibt aber jedenfalls die Behandlung der Krankheit, da es kein Spezifikum, d.h. ein schnell wirkendes Tötungsmittel für die Trichinen im menschlichen Darmkanal oder während ihrer Wanderung in die Muskeln bis jetzt gibt. Ich will die Existenz eines solchen nicht gerade für eine Unmöglichkeit halten, aber sie ist mir doch sehr unwahrscheinlich; denn während des Aufenthaltes der Trichinen im Darm tut ein energisches Abführmittel diesselben Dienste; nach der Einwanderung und beim Beginn der Abkapselung ist keine Behandlung mehr möglich, denn der Mensch stirbt nur an den außerordentlich heftigfen Reizzuständen, die die durch den Organismus wandernden Trichinen verursachen, während er die in Ruhe befindlichen, abgekapselten, wie die Erfahrung mehrfach gezeigt hat, ohne Schaden erträgt; es würde wohl also der Zeitraum der Wanderung eines derartigen Mittels bedürfen; es ist aber leicht einzusehen, daß man bei dem außerordentlich geschwächten Kraftzustande des Patienten leichter diesen als die lebenden kräftigen Trichinen töten wird.

Spezifikum: (here) remedy / Tötungsmittel: means of killing / Darmkanal: intestinal canal / Abführmittel: laxative / Abkapselung: encapsulation / Reizzustände: inflammations / in Ruhe befindlich: dormant / derartig: of this kind / bedürfen: require (w/ dat.) / geschwächt: weakened
e Dose (-n) - can

e Einwirkung (-en) - influence

r Fall (¨-e) - case

s Gift (-e) - poison

hierher - here (to this place)

metalisch - metal (adj.)

nämlich - namely

r Ort (-e) - place; locality

an Ort und Stelle - on the spot; in situ

r Quecksilber - mercury

e Sicherheit (-en) - safety

r Stoff (-e) - material

e Tatsache (-n) - fact

teils - partly

s Tier (-e) - animal

töricht - foolish

übrigbleiben (ie, ie) - be left (over), remain

vernichten (reg.) - annihilate

zerstören (reg.) - destroy

r Zweck (-e) - purpose

Es würde nun töricht sein, gleich a priori nach einer solchen Betrachtung ein hierher gehöriges Mittel ganz zu bezweifeln, zumal wenn man die Tatsache in Erwägung zieht, daß es einige Gifte gibt, die von einzelnen Tieren sehr gut vertragen werden, während sie den Menschen und andere Lebewesen töten können, so daß man die Möglichkeit der Existenz eines Stoffes nicht wird leugnen können, der in einem ähnlichen Wechselverhältnisse stehen würde zum Menschen und zur Trichine, so daß ersterer verschont bliebe, letzterer aber vernichtet würde durch seine Einwirkung. Jedenfalls können Säuren und Alkalien zu diesem Zwecke nicht dienen, da sie nie unverändert in die Säftemasse übergehen, sondern in den teils sauren, teils alkalischen Verdauungssekreten neutralisiert werden, oder wenn dies nicht der Fall ist, wie alle anderen ätzenden Gifte, nämlich an Ort und Stelle, zerstörend wirken, nicht aber dort, wo sich die Trichinen schon in Sicherheit befinden. Mineralische Präparate, besonders Quecksilber (vom metallischen Quecksilber soll nach allen Experimentatoren nichts in den Organismus übergehen), wirken in den gewöhnlichen Gaben viel zu langsam und zu schwach, höhere Dosen würden sehr gefährlich sein; es bleiben wahrscheinlich also nur die Pflanzenmittel übrig. a priori: deductively / Betrachtung: consideration / hierher gehörig: appropriate / zumal: especially / in Erwägung ziehen: take into consideration / vertragen: tolerate / Lebewesen: living being / Wechselverhältnis: recriprocal / verschont: spared / Säuren und Alkalien: acids and alkalis / Säftemasse: bodily fluids / übergehen: pass over / Verdauungs-sekrete: digestive secretions / ätzend: caustic / Präparate: preparations / Experimentatore: researchers / Gaben: doses / Dosen: (here) doses/ Pflanzenmittel: medicinal herbs
bedeutend - considerable, significant

erfordern (reg.) - require

erkranken (reg.) - get sick

s Experiment (-e) - experiment

e Hauptfrage (-n) - main question

r Maulwurf (¨-e) - mole

e Maus (¨-e) - mouse

mißbrauchen (reg.) - misuse

e Nahrung (-en) - food

öfters - frequently

praktisch - practical

e Ratte (-n) - rat

rein - pure

e Richtung (-en) - direction

spezifisch - specific

s Studium (-ien) - study; research

s Übel (-) - evil

s Unternehmen (-) - undertaking

e Untersuchung (-en) - investigation

r Ursprung (¨-e) - origin

e Verwendung (-en) - application

vielfach - multiple; frequently

zufällig - (by) chance

Du wirst mir vielleicht beistimmen, daß diese beiden Hauptfragen, nämlich nach dem ersten Ursprung der Trichine, um so das Übel in der Wurzel auszurotten, und nach der spezifischen Behandlung der einmal ausgebrochenen Trichinenkrankheit weniger be einer zufällig bestehenden Epidemie als durch sorgfältige Untersuchung aller dem Schweine zur Nahrung dienenden Gegenstände (einige wollen dieselben in Ratten und Mäusen, welche bekanntlich öfters von Schweinen gefressen werden, gefunden haben; andere in Maulwürfen und Spitzmäusen) zu beantworten sind und ferner durch die eingehendsten und genauesten Experimente an dazu geeigneten Tieren, da wir die leider so vielfach erkrankten Menschen hierzu wohl nicht mißbrauchen können. Derartige Untersuchungen würden aber, wenn sie die zur praktischen Verwendung mögliche Sicherheit erlangen sollten, nicht Monate, sondern vielleicht Jahre langes Studium und bedeutende Kosten erfordern. Ein so ausgedehntes Unternehmen würde mich aber zu weit von meiner vielleicht rein praktischen Richtung abziehen. (...) beistimmen: agree with / ausrotten: rot out / eine zufällig bestehende Epidemie: an occasional epidemic / Nahrung: food / wollen: (here) claim to / bekanntlich: as you know / Spitzmäuse: shrew-mice / eingehendst-: most thorough / geeignet: suited / hierzu: for this / derartig: such / ausgedehnt: extensive / abziehen: draw away
A. Answer in German.

1. Was wußte man schon damals von der Trichinenkrankheit?

2. Wer kann die einmal entstandene Krankheit leicht erkennen?

3. Worübver existierten damals nut ganz vage Vermutungen?

4. Warum bezeichnet Robert Koch die Behandlung der Krankheit als die schwächste Seite?

5. Was hält Koch für sehr unwahrscheinlich?

6. In welchem Stadium der Krankheit war keine Behandlung mehr möglich?

7. Wie kann man eigentlich an der Trichinen- krankheit sterben?

8. Warum war es schwer, die Trichinen während ihrer Wanderung in die Muskeln zu töten?

9. Wäre es möglich, die Krankheit etwa mit Gift zu behandeln?

10. Glaubt Koch, daß Säuren und Alkalien zu diesem Zweck dienen können?

11. Was hat Koch gegen den Gebrauch von Quecksilber einzuwenden?

12. Was sind für Koch die beiden Hauptfragen in Bezug auf die Trichinenkrankheit?

13. Wie könnte man die Frage nach dem ersten Ursprung der Trichinen am besten beantworten?

14. Warum lehnt Koch das Angebot seines Onkels ab?

B. Indirect discourse: Fill in the blanks with appropriate subjunctive forms. Each sentence is introduced by an expressed or unexpressed "er schrieb," "er sagte," etc. Translate the sentences.

1. Koch schrieb, er ________ (was) überzeugt, daß die damalige Kenntnis von der Trichinenkrankheit noch mehrere arge Lücken ________ (had).

2. Jeder damit Vertraute __________ (could) die einmal entstandene Krankheit erkennen.

3. Die direkten Vorsichtsmaßregeln gegen die Krankheit ________ (were) bekannt.

4. Er sagte weiter, daß man nichts über den ursprünglichen Wohnsitz der Trichinen _______ (knew).

5. Aber die schwächste Seite ________ immer die Behandlung der Krankheit ___________ (had been) .

6. Es ________ (was) kein schnell wirkendes Tötungsmittel für die Trichinen.

7. Koch schrieb, er __________ (did ... want) die Existenz eines solchen Mittels nicht gerade für unmöglich halten, aber sie ________ (was) ihm doch sehr unwahrscheinlich.

8. Es ________ (was) leicht einzusehen, daß ein starkes Mittel einen schwachen Patienten ________ ________ (would kill).

9. Koch sagte, er __________ (did ... deny) nicht die mögliche Existenz eines Stoffes, der die Trichinen ___________ _________ (could destroy), während der Mensch verschont _________ (would remain).

10. Quecksilber in den gewöhnlichen Dosen __________ (worked) viel zu langsam und zu schwach.

11. Kein Forscher ________ __________ (had found), daß etwas vom metallischen Quecksilber in den Organismus __________ (passed over).

12. Um die Frage nach dem ersten Ursprung der Trichine zu beantworten, _________ man alle dem Schwein zur Nahrung dienenden Gegenstände sorgfältig ___________ (would have to investigate).

C. Articles, adjective endings: Fill in the blanks where necessary. Translate the sentences.

1. Es ist auch mein___ Überzeugung, daß unser___ Kenntnis von dies___ Krankheit mehrer___ agr___ Lücken hat.

\2. Es gibt noch kein___ schnell wirkend___ Tötungsmittel für d___ Trichinen während ihr___ Wanderung in d___ Muskeln. _________

3. Nach d___ Einwanderung ist kein___ Behandlung mehr möglich, denn d___ Mensch stirbt an d___ heftig___ Reizzuständen.

4. Es wäre töricht___ sein, gleich a priori nach ein___ solch___ Betrachtung ein___ gehörig___ Mittel ganz zu bezweifeln.

5. D___ beid___ Hauptfragen sind am besten zu beantworten durch sorgfältig___ Untersuchung all___ Nahrungsgegenstände d___ Schweine.

D. Express in German.

1. It was Koch's conviction that the knowledge of his time regarding trichinosis was quite incomplete.

2. Of course they knew the symptoms of the disease very precisely.

3. It was also known that the disease passes from pigs to men, but no one was able to say how it gets into pigs.

4. The weakest side of the entire matter was the treatment.

5. Doctors were unable to kill the trichinae quickly either in the intestines or during their migration into the muscles.

6. After the migration into the muscles, treatment was no longer possible.

7. Any treatment after the immigration would be more likely to kill the weak patient than the healthy trichinae.

8. It would be foolish to doubt that an effective means will be found.

9. It was known at that time that some substances poisonous to man were harmless to some animals.

10. It was possible that a substance would be found that would kill trichinae while not harming people.

11. Koch said that there were two principal questions: 1) Where do the trichinae originate? and 2) How can people with trichinosis be treated effectively?

12. He declined his uncle's offer because the necessary investigations could take years.

Suggestion for oral practice: In an informal learning session with first-year medical students, Koch explains what the medical world of his time knew about trichinosis and what remained to be done. The fledglings have lots of questions.
 
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