German Correspondence

Alexander von Humboldt

1769 - 1859

Edited by Eugene R. Moutoux

 

Extensive travel and exact observations provided Alexander von Humboldt with material for his magnum opus, entitled Kosmos, in which he attempted to describe fully the physical universe as known to man in the mid-nineteenth century. Four volumes of this work appeared between 1845 and 1859, and a fifth, incomplete volume was published posthumously in 1862. A pioneer in the areas of meteorology and of physical geography, Humboldt drew the first isothermal map and discovered the decrease in the earth’s magnetic force from poles to equator. He became, during his lifetime, one of the most prominent men in Europe; his reputation easily rivaled that of Goethe.

Humboldt’s voyage to South America, his longest both in time and in distance, began in Spain in June of 1799 and took him to Cuba, Ecuador, Peru, and Mexico; he returned to Europe in August of 1804. On the way to South America, the Humboldt expedition stopped for six days at Teneriffe, the largest of the Canary Islands, a cluster of 13 islands off the northwest coast of Africa. Exhilarated after his ascent of the volcanic mountain, the Pic, and enraptured by the entire ambiance of the island, Humboldt wrote the following letter to his brother Wilhelm, himself an extraordinary scholar of considerable renown.

 
ausbrechen (i; a, o) - break out

e Decke (-n) - cover; ceiling

s Dorf (¨-er) - village

e Gefahr (-en) - danger

r Genuß (¨-sse) - enjoy-

ment; pleasure; delight

r Himmel (-) - sky; heaven

e Hitze - heat

e Höhe (-n) - height

e Insel (-n) - island

e Kälte - coldness

e Kannone (-n) - cannon

e Kleider (pl.) - clothes

r Krater (-) - crater

e Landkarte (-n) - map

r Lavastrom (¨-e) - stream of lava

s Loch (¨-er) - hole

s Meer (-e) - sea

r Naturforscher (-) - naturalist

schleudern (reg.) - hurl, fling

s Ufer (-) - shore; bank

r Vulkan (-e) - volcano

r Weingarten (¨) - vineyard

 

Alexander von Humboldt

An seinen Bruder Wilhelm

Puerto Orotava, am Fuß des

Pik de Teneriffa, 23. Juni 1799

Gestern nacht kam ich vom Pik zurück. Welch ein Anblick! welch ein Genuß! Wir waren bis tief im Krater; vielleicht weiter als irgend ein Naturforscher. (...) Gefahr ist wenig dabei; aber Fatigue von Hitze und Kälte: im Krater brannten die Schwefeldämpfe Löcher in unsere Kleider, und die Hände erstarrten bei 2 Grad Réaumur. Gott, welche Empfindung, auf dieser Höhe (11500 Fuß!). Die dunkelblaue Himmelsdecke über sich; alte Lavaströme zu den Füßen; um sich dieser Schauplatz der Verheerung (3 Quadratmeilen Bimsstein), umkränzt von Lorbeerwäldern; tiefer hinab die Weingärten, zwischen denen Pisangbüsche sich bis ans Meer erstrecken, die zierlichen Dörfer am Ufer, das Meer, und alle sieben Inseln, von denen Palma und Gran Canaria sehr hohe Vulkane haben, wie eine Landkarte unter uns. Der Krater, in dem wir waren, gibt nur Schwefeldämpfe; die Erde ist 70 Grad Réaumer heiß. An den Seiten brechen die Laven aus. Auch sind dort die kleinen Krater, wie die, welche vor Jahren die ganze Insel erleuchteten. Man hörte damals zwei Monate lang ein unterirdisches Kannonenfeuer, und häusergroße Steine wurden 4000 Fuß hoch in die Luft geschleudert.

 

 

 

 

 

Anblick: view / irgend ein: any / brannten: burnt / Schwefeldämpfe: sulphur vapors / erstarren: grow numb / 2 Grad Réaumur: 2 degrees Reaumur = approx. 36 degrees F / Schauplatz der Verheerung: scene of devastation / 3 Quadratmeilen Bimstein: 3 square miles of pumice / umkränzt von Lorbeerwäldern: surrounded by laurel forests / Pisangbüsche: banana plants / sich erstrecken: extend / zierlich: pretty / 70 Grad Réaumur: approx. 190 degrees F (water boils at 80 degrees R) / erleuchten: illuminate / damals: at that time (back then) / schleudern: hurl

anfangen (ä; i, a) - begin

r Berg (-e) - mountain

r Dampf (¨-e) - steam  

entstehen (entstand, entstanden) - originate

fest - firm(ly); tight(ly)

r Gipfel (-) - peak

halb - half

heftig - violent

e Lava (-en) - lava

r Mond (-e) - moon

sanft - soft; gentle; mild

schmelzen (o, o) - melt

scheinen (ie, ie) - shine; seem

r Stern (-e) - star

r Sturm (¨-e) - storm

überall - everywhere

wüten (reg.) - rage

Ich habe hier sehr wichtige minerologische Beobachtungen gemacht. Die Pik ist ein Basaltberg, auf welchem Porphyrschiefer und Obsidianporphyr aufgesetzt ist. In ihm wütet Feuer und Wasser. Überall sah ich Wasserdämpfe ausbrechen. Fast alle Laven sind geschmolzener Basalt. Der Bimsstein ist aus dem Obsidianporphyr entstanden; ich habe Stücke, die beides noch halb sind.

Vor dem Krater, unter Steinen, die man la Estancia de los Ingleses nennt, am Fuß eines Lavastroms, brachten wir eine Nacht im Freien zu. Um 2 Uhr nachts setzten wir uns schon in Marsch nach dem letzten Kegel. Der Himmel war vollkommen sternhell, und der Mond schien sanft; aber diese schönen Zeiten sollten uns nicht bleiben. Der Sturm fing an heftig um den Gipfel zu brausen, wir mußten uns fest an den Kranz des Kraters anklammern.

Porphyrschiefer: porphyritic slate / Obsidianporphyr: obsidian porphyry / aufgesetzt: deposited / la Estancia de los Ingleses: the English Ranch / im Freien: out of doors / zubringen: spend (time) / sich in Marsch setzen: set out / Kegel: cone / sternhell: starry / sollten nicht: (here) were not to / brausen: roar (as in a wind storm) / Kranz: (here) crest / sich anklammern an: cling to
abreisen (reg.) - depart

ähnlich - similar

e Aprikose (-n) - apricot

r Boden (¨) - ground; floor

r Donner - thunder

einsam - lonely; solitary

r Eindruck (¨-e) - impresion

europäisch - European

e Finsternis - darkness

heiter - bright; cheerful

r Kamel (-e) - camel

e Nachschrift (-en) - postscript

r Nebel - fog

e Rose (-n) - rose

s Schiff (-e) - ship

s Schwein (-e) - pig

rührend - stirring, moving

e Träne (-n) - tear

e Traube (-n) - grape

r Übergang (¨-e) - transition

 

Donnerähnlich tobte die Luft in den Klüften, und eine Wolkenhülle schied uns von der belebten Welt. Wir klommen den Kegel hinab, einsam über den Dünsten, einsam wie ein Schiff auf dem Meere. Dieser schnelle Übergang von der schönen heiteren Mondhelle zu der Finsternis und der Öde des Nebels machte einen rührenden Eindruck. (...)

Nachschrift. In der Villa Orotava ist ein Drachenblutbaum (Dracaena Draco), 45 Fuß im Umfang. Vor 400 Jahren, zu den Zeiten der Guanchos war er schon so dick als jetzt.

Fast mit Tränen reise ich ab; ich möchte mich hier ansiedeln: und ich bin doch kaum vom europäischen Boden weg. Könntest du diese Fluren sehen, diese tausendjährigen Wälder von Lorbeerbäumen, diese Trauben, diese Rosen! Mit Aprikosen mästet man hier die Schweine. Alle Straßen wimmeln von Kamälen. (...)

toben: rage / Klüfte: chasms / Wolkenhülle: cloud cover / scheiden (ie, ie): separate / belebt: animate / hinabklimmen (o, o): climb down / Dünste: vapors / Mondhelle: moonlight / Öde: desolation / Drachenblutbaum: dragon tree (indigenous to the Canary Islands) / Umfang: circumference / Guanchos: Guaches (aboriginal inhabitants of the Canary Islands) / sich ansiedeln: settle / kaum: scarcely / Fluren: meadows / mästen: fatten / wimmeln: swarm

A. Answer in German.

1. Wo war Alexander von Humboldt am vorigen Tag gewesen?

2. Ist er auch in den Krater hinabgestiegen? War es gefährlich?

3. Was konnte man von dieser Stelle aus sehen?

4. Welche Temperaturen herrschten im Krater?

5. Wie beschreibt Humboldt die früheren Vulkanausbrüche?

6. Was für minerologische Beobachtungen hat Humboldt gemacht?

7. Wo haben Humboldt und die anderen eine Nacht verbracht?

8. Wann sind sie wieder aufgebrochen? Wohin wollten sie gehen?

9. Wie war das Wetter am Anfang? Und wie veränderte sich das Wetter auf dem Gipfel?

10. Wie würden Sie den Baum beschreiben, von dem Humboldt in seiner Nachschrift spricht?

11. Warum möchte sich Humboldt dort ansiedeln?

B. Verb forms: Supply the missing active-voice verbs as indicated.

1. In der Nacht ________ Humboldt vom Pik __________ (had come back).

2. Er und die anderen ________ den Krater von außen und von innen ____________ (had seen).

3. Die Schwefeldämpfe ________ Löcher in ihre Kleider ______________ (burned, conv. past).

4. Pisangbüsche ____________ (extended) sich bis ans Meer.

5. Vor vielen Jahren ________ die kleinen Krater die ganze Insel ____________ (had illuminated).

6. Humboldt __________ wichtige minerologische Beobachtungen __________ (was able to make).

7. Sie ________ eine Nacht im Freien ____________ (spent, conv. past).

8. Sie __________ früh ________ (got up) und ________ (set out) sich auf den Weg nach dem letzten Kegel.

9. Unterwegs __________ (shone) Mond und Sterne; aber oben auf dem Gipfel ________ es ______ (began), heftig zu __________ (blow), und sie __________ (had to) sich fest am Kranz des Kraters ____________ (cling).

10. Der schnelle Übergang vor der Mondhelle zu der Finsternis des Nebels ________ einen rührenden Eindruck __________ (made, conv. past).

11. Humboldt ________ ____________ (has to depart), aber er ________ (does ... want) es nicht; er __________ sich dort ____________ (would like to settle).

12. So viele Aprikosen __________ (grow) dort, daß man die Schweine damit __________ (fattens); und überall __________ (sees) man Kamele.

C. Indirect discourse: Fill in with appropriate subjunctive forms. (Each sentence is introduced by an exprssed or unexpressed "er schrieb," "er sagte," etc.) Translate the sentences.

1. Humboldt schrieb seinem Bruder, daß er in der vorigen Nacht vom Pik ____________ _______ (had come back). Er ______ tief im Krater __________ (hadbeen).

2. Im Krater ________ die Schwefeldämpfe Löcher in ihre Kleider ____________ (had burnt).

3. Er ________, so schrieb er weiter, sehr wichtige minerologische Beobachtungen __________ (had made).

4. Auch ________ er eine Nacht am Fuße eines Lavastroms ____________ (had spent).

5. In der Villa Orotava ________ (was) ein sehr alter, großer Drachenblutbaum. Und übrerall _______ (saw) man Trauben, Rosen und Aprikosen.

6. Er sagte, daß er fast mit Tränen ___________ (was departing).

D. Express in German.

1. On his way to South America, Alexander von Humboldt spent six days on one of the Canary Islands.

2. Here he observed the power and the beauty of nature.

3. Humboldt descended deep into a volcano, perhaps deeper than any researcher had gone.

4. In the crater the heat burned holes in his clothes while the cold numbed his hands.

5. A storm came when Humboldt was on the last crater, and he had to cling tightly to the rocks.

6. Earlier the sky had been clear, but now clouds made it impossible for them to see the ocean.

7. Von Humboldt did not want to leave the beauty of the islands with their apricots and flowers and thousand-year-old forests.

8. One tree was more than 45 feet in circumference.

Research suggestion: The scientific contributions of Alexander von Humboldt, especially as they derive from his voyage to South America.
 
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