German Correspondence

Caroline Schlegel Schelling

(1763 - 1809)

Edited by Eugene R. Moutoux

 

Caroline Michaelis moved to Mainz in 1792 as guest of the pro-French author Georg Forster and his wife, Therese, a childhood friend of Caroline. As a result of her association with the Forsters, she was held prisoner for several weeks by the Prussians. In 1796 she married the distinguished scholar and critic August Wilhelm Schlegel. At their home in Jena, the Schlegels frequently entertained important literary figures. When Caroline and Schlegel were divorced in 1803, she married the philosopher Schelling, with whom she then lived in Würzburg.

Following a visit with Caroline in her new home, A. W. Schlegel reports that two busts adorn his ex-wife's reception room: one of Auguste (Caroline’s deceased daughter), the other of Goethe. Among the dedicated and loyal friends of Goethe, Caroline occupied a special position. As the wife of A. W. Schlegel and sister-in-law of Friedrich Schlegel (to whom the following letter is addressed), she lived for several years at the very hub of incipient German Romanticism and, according to several scholars, contributed significantly toward the transferal of Romantic enthusiasm from Schiller to Goethe. The following letter expresses her attitude toward these two men.

 
äußerst - extremely

e Beleuchtung - lighting

bestreiten (i, i) - dispute

durchaus - thoroughly

eifrig - industrious

e Eröffnung (-en) - opening

erstaunlich - amazing

gefallen (ä; ie, a) - please

sich gefallen lassen (ä; ie, a) - put up with, tolerate

r Geschmack - taste

hübsch - pretty

innerhalb (w/ gen.) - within

r Kranz (¨-e) - wreath

e Lampe (-n) - lamp

malen (reg.) - paint

r Preis (-e) - price; prize

e Säule (-n) - column

schmücken (reg.) - decorate

schweben (reg.) - hover

s Theater (-) - theater

e Theaterkasse - box office

verändern (reg.) - change

verwandeln (reg.) - transform

zugleich - at the same time

zustande bringen (brachte, gebracht) - accomplish

Caroline Schlegel Schelling

An Friedrich Schlegel

Jena, 14. Okt. 1798

(...) Nun von Goethes Geschäftigkeit. Er hat das weimarische Komödienhaus inwendig durchaus umgeschaffen, und in ein freundliches glänzendes Feenschlößchen verwandelt. Es hat mir erstaunlich wohl gefallen. Ein Architekt und Dekorateur aus Stuttgart ist dazu her berufen und innerhalb 13 Wochen sind Säulen, Galerien, Balkone, Vorhang verfertigt und was nicht alles geschmückt, gemalt, vergoldet, aber in der Tat mit Geschmack. Die Beleuchtung ist äußerst hübsch, vermittelst eines weiten Kranzes von englischen Lampen, der in einer kleinen Kuppel schwebt, durch welche zugleich der Dunst des Hauses hinauszieht. Goethe ist wie ein Kind so eifrig dabei gewesen, den Tag vor der Eröffnung des Theaters war er von früh bis spät abends da, hat da gegessen und getrunken und eigenhändig mitgearbeitet. Er hat sich die gröbsten Billetts und Belangungen über einige veränderte Einrichtungen und Erhöhung der Preise gefallen lassen und es eben alles mit freudigem Gemüt hingenommen, um die Sache, welche von der Theaterkasse bestritten wurde, zustande zu bringen.

 

 

 

Geschäftigkeit: activity / das weimarische Komödienhaus: the Weimar Theater / inwendig: on the inside / umschaffen: remodel / glänzendes Feenschlößchen: sparkling fairy palace / ist dazu her berufen: was appointed to do the job / verfertigt: constructed / vergoldet: gilded / in der Tat: indeed / vermittelst: because of / Kuppel: dome / Dunst: haze; smoke / eigenhändig: with his own hands / die gröbsten Billetts: the crudest tickets / Belangungen: legal actions / Einrichtungen: decoration / Erhöhung: raising / Gemüt: disposition

abgerechnet - aside from

s Auge (-n) - eye

darstellen (reg.) - portray

ebenfalls - likewise

e Ehre (-n) - honor

r Einfall (¨-e) - idea

sich ergeben (i; a, e) - surrender

fremd - foreign; strange

r Geist - spirit

e Gesellschaft (-en) - society

s Kostüm (-e) - costume

r Leib (-er) - body

ordentlich - proper; tidy; (adv.) properly; downright

r Realist (-en, -en) - realist

r Reim (-e) - rhyme

r Schauspieler (-) - actor

sorgfältig - careful, exact

unerhört - unheard of

vollkommen - perfect

Nun kam die Anlernung der Schauspieler dazu, um das Vorspiel ordentlich zu geben, worin ihnen alles fremd und unerhört war. Es stellt Wallensteins Lager dar, wie Sie wissen, und ist in Reimen in Hans Sachsens Manier, viler Leben, Wirkung, Geist der Zeit und guter Einfälle. Schiller hat doch in Jahren zustande gebracht, was Geothe vielleicht (die Studien abgerechnet) in einem Nachmittag hätte geschrieben, und das will immer viel sagen. Er hat sich (dies kommt von Wilhelm) dem Teufel ergeben, um den Realisten zu machen und sich die Sentimentalitäten vom Leibe zu halten. Aber genug, es ist gut, er hat alle Ehre und die andern viel Plaisir davon. Goethes Mühe war auch nicht verloren; die Gesellschaft hat exzellent gespielt, es war das vollkommenste Ensemble und keine Unordnung in dem Getümmel. Für das Auge nahm es sich ebenfalls trefflich aus. Die Kostüme ... waren sorgfältig zusammengetragen, und kontrastierten wieder unter einander sehr artig

Anlernung: instruction / Vorspiel : (refers to Schiller's Wallensteins Lager, "Wallenstein's Camp," the first part of the Wallenstein trilogy) / Hans Sachs: 16th-century German writer whose many works abound in doggerels / und das will ... sagen: and that's saying a lot / Wilhelm: Caroline's husband, August Wilhelm Schlegel / Sentimentalität: According to Schiller, a sentimental poet proceeds from ideas rather than from persons and events / Plaisir: (Fr.) pleasure / Getümmel: turmoil / sich ausnehmen: look / trefflich: excellent / unter einander: one with another /artig: well
im allgemeinen - in general

anfangs - at first

applaudieren (reg.) - applaud

r Balkon (-e) - balcony

e Begeisterung - enthusiasm

bekannt - familiar, known

derselbe (die-, das-) - the same

r Dichter (-) - poet; writer

e Gegenwart - presence; present (time)

gering - little, slight

r Käfig (-e) - cage

lebhaft - lively

e Loge (-n) - (theater) box

selbst (adv.) - even

e Stelle (-n) - place, position

überhaupt - generally

e Umwandlung (-en) - transformation

wählen (reg.) - choose

wegfallen (ä; ie, a) - be omitted

Zum Prolog war eine neue, sehr schöne Dekoration. — Bei der Umwandlung des Hauses war Schillers Käfig weggefallen, so daß er sich auf dem offnen Balkon präsentieren mußte, anfangs neben Goethe, dann neben der herzoglichen Loge. Wir waren im Parkett, das denselben Preis mit dem Balkon hat, wo wir auch hätten hingehen können, aber lieber die bekannten Stellen wählten. — Die Korsen von Kotzebue gingen vorher. Bei dem Vorspiel hat man mehr gelacht und applaudiert. Der Schauspieler bringt überhaupt eine ganz andre, lebhaftere, materiellere Begeisterung hervor als der Dichter, aber hier konnte doch auch die im allgemeinen geringe Liebe für diesen und selbst seine Gegenwart mitwirken, abgerechnet, daß man das Ding fremd finden mußte, und obendrein auch soll zu lang gefunden haben.  herzoglich: ducal / Parkett: main floor (orchestra) / Die Korsen: tragedy by August von Kotzebue, an 18th-century German playwright / vorhergehen: precede / das Vorspiel: Wallensteins Lager / bringt hervor: produces / mitwirken: contribute / obendrein: what's more
A. Answer in German.

1. Welche Rolle spielte Goethe bei der Umschaffung des weimarischen Theaters?

2. Wie sieht das neue Theater aus?

3. Wozu dient die kleine Kuppel?

4. Wie lange arbeitete Goethe am Tage vor der Eröffnung des Theaters?

5. Mit welchem Schauspiel wurde das Theater eröffnet?

6. Hätte Goethe das Stück besser schreiben können als Schiller?

7. Sollte Wallensteins Lager realistisch sein oder nicht?

8. Wie haben die Schauspieler gespielt?

9. Was ist bei der Umwandlung des Theaters aus "Schillers Käfig" geworden?

10. Wo mußte Schiller sitzen?

11. Wo saß Caroline Schlegel Schelling?

12. Wodurch zeigt Caroline dem Leser, daß Schiller ihr nicht gefiel?

B. Articles, adjective endings: Supply endings where necessary. Translate the sentences.

1. Goethe hat d___ weimarisch___ Theater in ein___ freundlich___ glänzend___ Feen-schlößchen verwandelt.

2. D___ Beleuchtung besteht aus ein___ weit___ Kranz von englisch___ Lampen, der in ein______ klein___ Kuppel schwebt.

3. An d___ Tag vor d___ Eröffnung d_________ Theaters hat Goethe lange gearbeitet.

4. D___ Sprache d___ neu___ Schauspiels war d___ Schauspielern fremd.

5. D___ ausgezeichnet___ Schauspieler trugen schön___, sorgfältig zusammengetragen_______ Kostüme.

6. Bei d___ Umwandlung d___ Hauses verlor Schiller sein___ Käfig.

7. Zuerst saß Schiller neben sein___ Freund Goethe, dann neben d___ herzoglich___ Loge.

8. Caroline hätte auf d___ Balkon sitzen können, aber sie wählte lieber ihr___ bekannt___ Stelle.

9. Caroline schreibt: D___ Schauspieler bringt ein___ lebhafter___ Begeisterung hervor als d___ Dichter.

C. Degrees of adjectives (positive, comparative, superlative): Fill in the blanks.

1. Ein _______________ (more interesting) Theater hätte man sich kaum denken können.

2. Bei der Arbeit am neuen Theater war Goethe _________________ (as industrious as) nur möglich.

3. Er kam wohl __________ (earlier) und blieb __________ (later than) die meisten anderen.

4. Caroline glaubte, Goethe hätte Wallensteins Lager viel _________________ (faster than) Schiller schreiben können.

5. Die Wallenstein-Triloie ist das _____________ (longest) Schauspiel Schillers.

D. Express in German.

1. Caroline, who adored Goethe and despised Schiller, writes that Schillers Wallensteins Lager was surprisingly good.

2. She adds, however, that Goethe could have written in one afternoon what Schiller wrote in years.

3. Caroline and her husband sat in their accustomed seats on the main floor, although they could have sat in the balcony.

4. Shiller had to sit in the open because his "cage" had been removed in the renovation of the theater.

Research suggestion: The role of women in German society during the period of German Romanticism.
 
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